PUBLIC OPEN SPACE

Gesellschaft, Medien und Demokratie im digitalen Zeitalter

Demokratie braucht eine aufgeklärte Öffentlichkeit. Dafür sind vertrauenswürdige Informationsquellen und ein lebendiger gesellschaftlicher Diskurs erforderlich. Die Initiative „PUBLIC OPEN SPACE“ entwickelt die Perspektive einer gemeinwohlorientierten digitalen Plattform (#PublicOpenSpace), die eine intensive Kooperation zwischen der Welt der Medien, der Bildung, der Kultur und der Gesellschaft möglich macht.

DIE HERAUSFORDERUNG:

Tatsache ist: Disruptionen in der digitalen Netzwerkökonomie und der individuellen Mediennutzung eröffnen völlig neue Möglichkeiten Öffentlichkeit und demokratisches Handeln herzustellen, bringen gleichzeitig aber auch Bedrohungen für die Demokratie mit sich: Eine beobachtbare Monopolisierung weltweit agierender Konzerne, die Szenarien unüberprüfbarer Algorithmensteuerung und -manipulation, digitale Überwachung und gezielte Propaganda im Netz sowie die Ausbildung digitaler Filterblasen lösen vielfältige Ängste aus. Zeitgleich – und durch diese Entwicklung neuer Öffentlichkeiten gefördert – erschüttern Populismus und wachsender Nationalismus sowie die Polarisierung und Fragmentierung der Gesellschaft das Vertrauen in demokratische Institutionen und unterminieren die Potentiale digitaler Technologien für egalitäre, demokratische, öffentliche Diskurse. Die Kommunikationsformen im Internet sind oft von einer kaum mehr kognitiv zu verarbeitenden Informationsflut, ideologisch verzerrten Falschnachrichten, Oberflächlichkeit, kurzer Aufmerksamkeitsdauer und einem digitalem Boulevard geprägt, wodurch Diskussionen, Verständigung und wechselseitiges Verständnis zwischen Bürger/innen unmöglich wird. Die Aufmerksamkeit und Online-Aktivitäten der User/innen werden im Zeitalter von personalisierter Werbung, Google, Facebook, Twitter & Co zu Waren. Grundsätzlich dominiert die Ökonomisierung heute große Teile des Internets.

Wie reagieren Medien und Gesellschaft darauf? Wie kann Demokratie angesichts der zahlreich auftretenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Disruptionen nicht nur verteidigt, sondern für die Herausforderungen in digitalen Netzwerken weiterentwickelt und gestärkt werden? Wie können Chancen für mehr Meinungsfreiheit und -vielfalt, Unabhängigkeit, Glaubwürdigkeit und Partizipation im nationalen, europäischen und globalen Kontext eröffnet werden? Vor allem aber: Wie können die Möglichkeiten digitaler Kommunikation für einen vielfältigen, offenen, gemeinwohlorientierten, inklusiven demokratischen Diskurs der Gesellschaft genutzt werden? Wie kann ein gemeinwohlorientiertes, öffentlich-rechtliches und zivilgesellschaftliches Netz entwickelt und vorangetrieben werden? Wie können Alternativen zu YouTube, Google, Facebook, Twitter, Microsoft, Amazon, etc. aussehen? Wie können wir eine netzpolitische Daseinsvorsorge für Demokratie und Gesellschaft schaffen?

DIE VISION:

Die Initiative „PUBLIC OPEN SPACE“ entwickelt die Perspektive einer neuen digitalen, nichtkommerziellen Plattform (#PublicOpenSpace), die sowohl Inhalte und Angebote unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Vielfalt zugänglich macht, als auch einen öffentlichen Diskursraum für die gesamte Bevölkerung bietet. Um einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft gerecht zu werden, kommt insbesondere den Medien mit einem öffentlichen Auftrag die Funktion zu, Verbindungen zwischen verschiedenen Teilen der Bevölkerung zu ermöglichen. Der traditionelle Inklusionsauftrag erhält hier eine neue, dringliche Aktualität. Dafür ist jedoch ein Transformationsprozess erforderlich, der neue Kooperationen und Allianzen von Medien mit öffentlich-rechtlichem Auftrag und öffentlichen Institutionen aus den Bereichen Wissenschaft und Bildung, Zivilgesellschaft, Kunst und Kultur erforderlich macht. Dazu zählen insbesondere auch nicht-gewinnorientierte Medien, die sich einem vergleichbaren Auftrag verpflichtet sehen sowie zivilgesellschaftliche Wissens- und Bildungsinitiativen. Damit kann es gelingen, an neue Mediennutzungsgewohnheiten anzuknüpfen, ohne durch intransparente Personalisierungen auf eine Verengung des Angebotes hinzuwirken.

Angestrebt wird ein attraktiver, umfangreicher und qualitätsorientierter digitaler Kommunikationsraum #PublicOpenSpace, der auf der Basis der Wahrung des privaten Daten- und Persönlichkeitsschutzes sowie mit Garantie für inhaltliche Qualität und Vielfalt auf allen Ausspielwegen den Nutzer/innen die Kommunikation in einem an demokratischen Werten orientierten Netzwerk erlaubt und damit einen Beitrag zum Gelingen einer digitalen Demokratie darstellt. Ein derartiger #PublicOpenSpace sollte die Wissensbestände und das Material, das mit öffentlicher Finanzierung zustande gekommen ist, einer breiten Öffentlichkeit dauerhaft digital zugänglich und nutzbar machen. Geeignete Versionen von offenen, Wikipedia-kompatiblen Lizenzen wie Creative Commons (CC BY SA) bieten dazu neue Möglichkeiten. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass neben allen öffentlich-rechtlichen Anbietern, auch Archive und Museen, öffentliche Bildungs- und Kulturinstitutionen, Hochschulen und zivilgesellschaftliche Organisationen vertreten und eingebunden sind. Insbesondere muss dabei gewährleistet sein, dass Bürger/innen sich öffentlich ausdrücken und damit den demokratischen Diskurs mitgestalten können.

Abseits organisatorischer und technologischer Fragestellungen, die unter den gegenwärtigen Bedingungen des technologischen, gesellschaftlichen und politischen Wandels mittel- bis langfristig nicht abschließend beantwortbar sein können, muss der #PublicOpenSpace ein netz-konvergenter Raum sein – ein Ort des Austauschs zwischen digitalen und physischen Sphären -, der wechselseitige Kommunikation aller gesellschaftlich-teilhabenden Gruppen und Institutionen erlaubt. Dabei müssen vor allem diskursfördernde Handlungen durch Etablierung einer Kommunikationskultur inspiriert werden, die Empathie und Offenlegung der unterschiedlichen Motive, Beweggründe und Positionen dieser Gruppen erlauben. Nur dann ist auch die Grundlage für Koexistenz, wechselseitiges Verstehen und Verständnis innerhalb einer Gesellschaft möglich. Gesprächsverweigerung und Verbreitung ideologischer und propagandistischer Inhalte ohne Interesse an Austausch und Diskurs muss sich ein solcher Raum jedoch schon konzeptionell widersetzen, da diese den Keim für gesellschaftliche Polarisierung und Zersetzung in sich tragen.

“PUBLIC OPEN SPACE” ist eine transnationale, europäische und entwicklungsoffene Initiative, die sich aus Vertreter/innen der Wissenschaft, öffentlich-rechtlichen und nichtkommerziellen Medien sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammensetzt. Aktuell versteht sich die Initiative als ein Projekt, das synergetisch, kooperativ und partizipativ eine public-civic partnership entwickelt, welche die Grundlage für einen solchen #PublicOpenSpace liefert.